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Studie: Mehr Baugenehmigungen, weniger Wohnungen: Das steckt hinter dem Neubau-Paradox

Autorenbild Kilian Treß
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Hohe Kosten, geopolitische Krisen und unsichere Märkte setzen den konventionellen Wohnungsbau weiter massiv unter Druck. Laut einer neuen PwC-Studie werden bereits zahlreiche Bauprojekte verschoben oder sogar komplett gestrichen. Gleichzeitig hoffen viele Unternehmen auf Milliarden aus dem Infrastrukturpaket der Bundesregierung.

Das steckt hinter der Krise im Wohnungsbau

• Der konventionelle Wohnungsbau kämpft 2026 weiter mit steigenden Kosten, Lieferproblemen und wirtschaftlicher Unsicherheit.

• Viele Unternehmen verschieben Projekte oder stoppen sie ganz, weil sich Bauvorhaben immer schwieriger rechnen.

• Hoffnung macht der Branche vor allem das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, von dem sich viele Firmen neue Aufträge versprechen.

Konventioneller Wohnungsbau kämpft weiter mit steigenden Kosten

Die Lage in der deutschen Bauwirtschaft bleibt angespannt. Besonders der konventionelle Wohnungsbau leidet unter hohen Baukosten, teuren Finanzierungen und schwierigen Marktbedingungen. 

Wie schon auf dem Wohnungsbau-Tag 2026 klar wurde: Obwohl es zuletzt wieder deutlich etwas mehr Baugenehmigungen - im Februar rund 25% mehr als im Vorjahresmonat - entstehen paradoxerweise trotzdem immer weniger neue Wohnungen. Der Grund: Viele genehmigte Projekte werden gar nicht gebaut. Hohe Baukosten, teure Kredite, strenge Vorgaben und unsichere Förderbedingungen sorgen dafür, dass Investoren und Bauträger Projekte stoppen oder verschieben. Gleichzeitig läuft bei vielen bereits genehmigten Vorhaben die Frist ab. Der sogenannte „Bauüberhang“ schrumpft also.

Die Belastung zieht sich inzwischen durch nahezu alle Bereiche der Branche. Während steigende Kosten im Jahr 2022 noch nicht als größtes Problem galten, stehen sie mittlerweile klar an der Spitze der Sorgen vieler Unternehmen. 91% aller befragten Unternehmen einer großangelegten Studie von von PricewaterhouseCoopers (PcW, April 2026) geben den Zunehmenden Kostendruck an. Hinzu kommen geopolitische Krisen, unsichere Lieferketten und volatile Rohstoffpreise. Gerade Bauzulieferer leiden besonders stark darunter, weil sie direkt von Materialpreisen und internationalen Handelskonflikten betroffen sind.

Viele Wohnungsbauprojekte werden verschoben oder gestrichen

Die Folgen zeigen sich mittlerweile deutlich am Markt. Zahlreiche Unternehmen berichten, dass Projekte verschoben oder komplett gestrichen werden.

Vor allem Planungsbüros spüren den Druck zunehmend. Dort hat sich die Zahl stark betroffener Unternehmen innerhalb nur eines Jahres deutlich erhöht. Die Probleme reichen dabei von fehlender Finanzierung bis hin zu wirtschaftlicher Unsicherheit bei Investoren und Auftraggebern. Viele Projekte werden deshalb erst einmal auf Eis gelegt. Besonders problematisch: Lange Genehmigungsverfahren und bürokratische Hürden bremsen zusätzliche Bauvorhaben aus.

Milliardenpaket der Bundesregierung sorgt beim Bau für wenig für Hoffnung

Trotz der schwierigen Lage blickt die Branche auf ein mögliches Konjunkturprogramm. Große Hoffnungen ruhen auf dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität.

Besonders große Chancen sehen viele Unternehmen beim Ausbau von Verkehrswegen, Energienetzen und Rechenzentren. Beim konventionellen Wohnungsbau fällt die Einschätzung vorsichtiger aus, dennoch könnte das milliardenschwere Programm indirekt neue Impulse für die Bauwirtschaft liefern. 43% sehen hier Chancen.

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Digitalisierung bleibt große Baustelle der Branche

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Digitalisierung vielerorts noch hinterherhinkt. Zwar sehen viele Unternehmen großes Potenzial in künstlicher Intelligenz und digitalen Anwendungen. In der Praxis fehlt jedoch oft das notwendige Fachwissen.

Besonders bei KI-Anwendungen klafft eine große Lücke zwischen den Möglichkeiten der Technologie und der tatsächlichen Nutzung im Alltag.

Hinzu kommt: Viele Auftraggeber verlangen digitale Lösungen bislang kaum aktiv bei Ausschreibungen. Dadurch fehlt oft zusätzlicher Druck zur schnellen Umsetzung.

Nachhaltigkeit bleibt wichtig – trotz weniger Regulierung

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt für die Bauindustrie weiterhin eine große Rolle. Viele Unternehmen geben an, dass ESG-Themen in ihrem Betrieb gleich wichtig geblieben oder sogar wichtiger geworden sind.

Dabei verändert sich allerdings die Motivation. Während früher vor allem gesetzliche Vorgaben im Mittelpunkt standen, setzen viele Unternehmen inzwischen stärker auf Nachhaltigkeit aus strategischen Gründen.

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