Steigende Ölpreise machen das Autofahren mit Benzin und Diesel wieder teurer. Gleichzeitig ziehen die Zulassungszahlen von Elektroautos wieder an. Wer über den Kauf eines Stromers nachdenkt, landet schnell bei der nächsten Frage: Muss es wirklich eine neue Wallbox sein oder reicht auch ein gebrauchtes Modell?
Gebrauchte E-Autos erobern den Markt, lohnt sich auch eine gebrauchte Wallbox?
Mit dem Ölpreis steigen die Betriebskosten von Verbrennern
Die Entwicklung an den Rohstoffmärkten hat direkte Auswirkungen auf Autofahrer. Höhere Ölpreise schlagen oft zeitverzögert auf die Preise an den Zapfsäulen durch. Für viele Verbraucher rücken dadurch die laufenden Kosten eines Autos wieder stärker in den Fokus.
Elektroautos profitieren in solchen Phasen von ihren vergleichsweise niedrigen Energiekosten. Wer zu Hause lädt, fährt häufig deutlich günstiger als mit Benzin oder Diesel. Besonders Besitzer einer Photovoltaikanlage können die Kosten zusätzlich senken.
Doch mit dem Umstieg auf ein E Auto stellt sich häufig die Frage nach der passenden Ladeinfrastruktur. Neben neuen Wallboxen rücken dabei zunehmend gebrauchte Geräte in den Blick.
Gebrauchte Wallboxen sind oft deutlich günstiger
Der Markt für gebrauchte Wallboxen wächst. Viele Geräte stammen aus Fahrzeugwechseln, Umzügen oder Modernisierungen. Während einfache neue 11-kW-Wallboxen inzwischen ab rund 400 Euro erhältlich sind, werden gebrauchte Modelle häufig für 200 bis 400 Euro angeboten.
Die Ersparnis kann auf den ersten Blick attraktiv wirken. Allerdings lohnt sich ein genauer Blick auf die Preise. Wer für eine gebrauchte Wallbox noch 400 oder 500 Euro zahlen soll, spart gegenüber einem Neugerät oft nur wenig. In solchen Fällen kann die Garantie eines neuen Geräts den Aufpreis rechtfertigen.
Interessanter wird es, wenn hochwertige Modelle für weniger als die Hälfte des ursprünglichen Neupreises angeboten werden.
Gehen Wallboxen überhaupt kaputt?
Anders als viele vermuten, steckt in einer Wallbox vergleichsweise wenig Verschleißtechnik. Im Wesentlichen handelt es sich um eine intelligente Stromversorgung mit Schutz- und Kommunikationstechnik.
Die Lebensdauer kann problemlos zehn Jahre oder länger betragen. Viele Komponenten sind für tausende oder sogar zehntausende Ladevorgänge ausgelegt.
Dennoch gibt es einige mögliche Schwachstellen:
- Schütze und Relais, die den Ladestrom schalten
- Fehlerstromschutz- und Überwachungseinrichtungen
- WLAN- oder Bluetooth-Module bei smarten Wallboxen
- Beschädigte Ladekabel
- Feuchtigkeit oder Korrosion im Gehäuse
Vor allem Feuchtigkeit gilt als einer der häufigsten Gründe für Defekte. Deshalb sollte das Gehäuse keine Rostspuren, Verfärbungen oder Anzeichen von Wassereintritt zeigen.
Der größte Kostenblock ist oft die Installation
Wer nur auf den Kaufpreis schaut, übersieht häufig den eigentlichen Kostentreiber. Die Montage durch einen Elektriker kostet oft mehrere Hundert Euro.
Je nach Situation können für Leitungsverlegung, Sicherungen und Anschluss schnell zwischen 500 und 1.500 Euro anfallen. Damit übersteigen die Installationskosten häufig den Preis der Wallbox selbst.
Deshalb kann eine vermeintlich günstige gebrauchte Wallbox schnell zur schlechten Investition werden, wenn sie nach kurzer Zeit ersetzt werden muss.
Wann sich eine gebrauchte Wallbox lohnt
Eine gebrauchte Wallbox kann eine sinnvolle Wahl sein, wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind:
- Das Gerät war bis zum Ausbau nachweislich in Betrieb.
- Eine Rechnung oder zumindest die Herkunft ist nachvollziehbar.
- Der Verkäufer kann die Funktion dokumentieren.
- Das Gehäuse weist keine Schäden auf.
- Der Preis liegt deutlich unter dem aktuellen Neupreis.
Weniger attraktiv sind Angebote, bei denen die Wallbox ungetestet verkauft wird oder die Ersparnis gegenüber einem Neugerät nur wenige Euro beträgt.
Fazit
Wer mit einem Elektroauto die steigenden Kraftstoffkosten umgehen möchte, kann bei der Wallbox durchaus sparen. Technisch sind viele Modelle langlebig und gebrauchte Geräte funktionieren oft noch viele Jahre zuverlässig.
Entscheidend ist jedoch der Preis. Liegt die Ersparnis gegenüber einem Neugerät bei nur 100 Euro, überwiegen häufig die Vorteile von Garantie und Herstellersupport. Wird eine hochwertige Wallbox dagegen für die Hälfte des Neupreises angeboten und lässt sich ihre Funktion nachweisen, kann der Gebrauchtkauf eine sinnvolle Möglichkeit sein, die Kosten für den Einstieg in die Elektromobilität zu senken.
Geschrieben am
Seite weiterleiten
Artikel drucken