Im Freien

Schwammgarten statt ständig gießen: Ist das die Lösung für trockene Sommer?

Autorenbild: Andreas Steger
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Der Rasen wird braun, Stauden lassen die Köpfe hängen und selbst robuste Pflanzen brauchen plötzlich zusätzliches Wasser: Längere Trockenphasen können Hobbygärtner vor echte Probleme stellen. Gleichzeitig gibt es Tage, an denen innerhalb kurzer Zeit große Mengen Regen fallen – und ein erheblicher Teil davon ungenutzt abfließt.

Ein sogenannter Schwammgarten setzt genau hier an. Statt Regenwasser möglichst schnell vom Grundstück wegzuleiten, soll der Garten möglichst viel davon aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben. Das Prinzip könnte Gärten widerstandsfähiger gegen Trockenheit machen – und lässt sich teilweise schon mit einfachen Veränderungen umsetzen.

Was ist ein Schwammgarten?

Der Begriff lehnt sich an das Konzept der Schwammstadt an. Dahinter steckt eine simple Idee: Flächen sollen sich bei Regen ähnlich wie ein Schwamm verhalten.

Wasser wird aufgenommen und möglichst lange vor Ort gehalten, anstatt direkt über versiegelte Flächen und die Kanalisation abzufließen. Später kann es versickern, verdunsten oder beispielsweise für die Bewässerung genutzt werden.

Das Umweltbundesamt sieht in diesem Prinzip eine Möglichkeit, gleich mehreren Folgen des Klimawandels zu begegnen – darunter Starkregen, Hitze und länger anhaltende Trockenheit.

Was auf Ebene ganzer Städte funktioniert, lässt sich in kleinerem Maßstab auch auf den eigenen Garten übertragen.

Warum das Prinzip bei Trockenheit helfen kann

Das Problem während trockener Sommer besteht nicht ausschließlich darin, dass zu wenig Regen fällt. Entscheidend ist auch, was mit dem Wasser passiert, wenn es regnet.

Auf versiegelten Einfahrten, Terrassen und Wegen kann Niederschlag kaum in den Boden gelangen. Bei kräftigen Regenschauern fließt zudem viel Wasser oberflächlich ab.

Ein Schwammgarten versucht dagegen, möglichst viel Niederschlag auf dem eigenen Grundstück zurückzuhalten.

Das hat einen entscheidenden Vorteil: Wasser kann im Boden versickern und steht Pflanzen beziehungsweise dem natürlichen Wasserkreislauf länger zur Verfügung. Auch das Umweltbundesamt nennt verstärkte Versickerung und die Nutzung von Niederschlägen zur Versorgung von Stadtgrün als wichtige Bestandteile des Schwamm-Prinzips.

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5 Maßnahmen machen den Garten zum „Schwamm“

Für einen Schwammgarten muss nicht zwangsläufig das komplette Grundstück umgebaut werden. Bereits einzelne Maßnahmen können dabei helfen, Regenwasser besser zu nutzen.

1. Versiegelte Flächen reduzieren

Je weniger Fläche vollständig versiegelt ist, desto mehr Wasser kann direkt auf dem Grundstück versickern. Kies- oder Splittfugen, Rasengittersteine und andere wasserdurchlässige Beläge können beispielsweise eine Alternative zu komplett geschlossenen Flächen sein.

Auch das Bayerische Staatsministerium empfiehlt, versiegelte Flächen nach Möglichkeit zu vermeiden oder zu entfernen und bei notwendigen Befestigungen auf wasserdurchlässige Varianten zu setzen.

2. Regenwasser auffangen

Eine der einfachsten Möglichkeiten ist die klassische Regentonne. Wer größere Mengen speichern möchte, kann über eine Zisterne nachdenken.

Das vom Dach kommende Wasser verschwindet dann nicht sofort im Abfluss, sondern kann während der nächsten trockenen Tage zum Gießen verwendet werden. Gerade dieser Wechsel aus kräftigen Niederschlägen und anschließender Trockenheit macht Wasserspeicher interessant.

3. Regen gezielt in den Garten leiten

Eine weitere Möglichkeit sind flache Versickerungsmulden. Regenwasser wird dabei gezielt in einen tiefer gelegenen Bereich des Gartens geleitet und kann dort nach und nach versickern.

Statt Wasser möglichst schnell loszuwerden, bekommt es also einen Platz, an dem es zunächst bleiben darf.

4. Den Boden verbessern

Auch der Boden selbst ist ein wichtiger Wasserspeicher. Ein strukturreicher, humoser Gartenboden kann Wasser aufnehmen und für Pflanzen verfügbar halten.

Organisches Material und eine schützende Mulchschicht können zusätzlich helfen, die Bodenoberfläche vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen und die Verdunstung zu reduzieren.

5. Pflanzen passend zum Standort auswählen

Ein Schwammgarten bedeutet nicht, dass jede Pflanze plötzlich problemlos lange Trockenperioden übersteht. Besonders sonnige und trockene Gartenbereiche sollten deshalb mit Pflanzen bestückt werden, die mit diesen Bedingungen zurechtkommen.

Auch das Bayerische Klimainformationssystem empfiehlt neben dem Auffangen von Regenwasser eine angepasste Bewässerung und trockenheitsverträgliche Pflanzen als Maßnahmen für Trockenperioden.

Ausgerechnet Starkregen kann Teil der Lösung sein

Das Interessante am Schwamm-Prinzip: Es verbindet zwei Probleme, die zunächst gegensätzlich wirken.

Bei Starkregen gibt es kurzfristig zu viel Wasser, während in längeren Trockenphasen Wasser fehlt.

Kann ein Grundstück einen Teil der Niederschläge zurückhalten, wird Regen vom kurzfristigen Problem stärker zur Ressource. Genau deshalb gewinnt das Konzept inzwischen auch außerhalb einzelner Gärten an Bedeutung.

In Bayern wird beispielsweise mit sogenannten „Schwammregionen“ daran gearbeitet, Wasser stärker dort zurückzuhalten, wo es fällt – unter anderem in Böden, Wäldern und Wiesen. Ziel ist es, Landschaften sowohl gegenüber Trockenheit als auch gegenüber Starkregen widerstandsfähiger zu machen.

Macht ein Schwammgarten das Gießen überflüssig?

Ganz so einfach ist es nicht.

Auch ein Garten mit hoher Speicherfähigkeit kann während langer Trockenperioden zusätzliche Bewässerung benötigen. Wie groß der Effekt ist, hängt unter anderem von Bodenart, Bepflanzung, Grundstück, Niederschlagsmenge und den vorhandenen Speichermöglichkeiten ab.

Der Schwammgarten ist deshalb weniger als Wundermittel gegen Trockenheit zu verstehen. Vielmehr geht es darum, mit dem Wasser, das ohnehin auf das Grundstück fällt, intelligenter umzugehen.

Und genau darin liegt der Charme des Konzepts: Hobbygärtner müssen nicht auf eine einzelne große Lösung setzen. Regentonne, weniger versiegelte Flächen, ein verbesserter Boden oder eine kleine Versickerungsmulde können erste Schritte sein.

So bleibt zumindest ein größerer Teil des nächsten Regenschauers dort, wo er einige Tage später dringend gebraucht werden könnte: im eigenen Garten.

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