Wärmepumpen sparen besonders viel Energie, wenn sie mit niedrigen Temperaturen arbeiten. Beim Warmwasser stößt dieses Prinzip an eine Grenze: Wird das Wasser zu kühl gehalten, können sich Legionellen vermehren. Wird es zu heiß gefahren, steigt der Stromverbrauch. Wir zeigen dir, welche Temperaturen als Orientierung gelten, was für dein Haus relevant ist und welche Fragen du dem Fachbetrieb stellen solltest.
Warmwasserbereitung mit der Wärmepumpe: Die richtige Zieltemperatur entscheidet über Hygiene und Effizienz. Foto: iStock.com / Gilnature
Warum Warmwasser für die Wärmepumpe anspruchsvoll ist
Eine Fußbodenheizung kommt mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus, die Wärmepumpe arbeitet dabei sehr effizient. Für Trinkwasser braucht sie dagegen deutlich höhere Temperaturen. Je größer der Abstand zwischen Wärmequelle und benötigter Temperatur, desto mehr Strom verbraucht das Gerät. Ein dauerhaft sehr heißer Speicher kostet deshalb spürbar mehr Energie.
Die Lösung kann aber nicht sein, die Warmwassertemperatur einfach möglichst weit abzusenken. Ob sich Legionellen vermehren, hängt nicht nur von der Temperatur ab, sondern auch von Speichergröße, Leitungsnetz und davon, wie oft das Wasser tatsächlich ausgetauscht wird.
Was sind Legionellen und wann werden sie gefährlich?
Die Temperaturbereiche im Überblick
Legionellen kommen in geringer Zahl natürlich im Wasser vor. Zum Problem werden sie, wenn sie sich stark vermehren. Das Umweltbundesamt, Verbraucherschützer und Fachverbände nennen dafür vergleichbare Richtwerte:
| Wassertemperatur | Wirkung auf Legionellen |
|---|---|
| unter etwa 20 Grad | kaum Vermehrung |
| 25 bis 45 Grad | ideale Bedingungen, besonders um 37 Grad |
| ab etwa 50 Grad | Vermehrung geht deutlich zurück |
| ab 60 Grad | Bakterien sterben relativ schnell ab |
Wie es zur Infektion kommt
Gefährlich ist vor allem das Einatmen feinster Wassertröpfchen, zum Beispiel beim Duschen. Das Trinken des Wassers gilt nicht als Hauptrisiko. Besonders gefährdet sind Menschen über 60, Raucher, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Personen mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen. Die Legionärskrankheit ist eine Lungenentzündung, die ärztlich behandelt werden muss.
Wichtig ist: Nicht die Wärmepumpe an sich ist das Risiko. Kritisch wird es, wenn ein Speicher- und Leitungskonzept nicht zum niedrigen Temperaturniveau passt und Wasser lange steht.
Kleinanlage oder Großanlage: Was für dein Haus gilt
Die Anforderungen hängen davon ab, wie groß die Trinkwasseranlage ist. Als Großanlage gilt nach dem technischen Regelwerk (DVGW W 551) ein Speicher mit mehr als 400 Litern Inhalt oder eine Leitung mit mehr als 3 Litern Wasservolumen zwischen Speicher und entferntester Entnahmestelle.
| Kriterium | Kleinanlage (typisch: Ein- oder Zweifamilienhaus) | Großanlage (typisch: Mehrfamilienhaus) |
|---|---|---|
| Temperatur | Keine pauschale 60-Grad-Vorgabe in der Trinkwasserverordnung. Das Umweltbundesamt empfiehlt Privathaushalten mindestens 55 Grad im Leitungssystem und 60 Grad am Austritt des Erwärmers. | Mindestens 60 Grad am Austritt des Trinkwassererwärmers und mindestens 55 Grad in der Zirkulation, höchstens 5 Grad Abkühlung. |
| Untersuchung auf Legionellen | Bei selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern in der Regel keine Pflicht. | Bei vermieteten Wohnungen in der Regel alle drei Jahre durch den Eigentümer oder die Eigentümergemeinschaft. |
Ob deine Anlage unter die Regeln für Großanlagen fällt, kann ein Fachbetrieb klären. Eine pauschale ideale Temperatur für jedes Gebäude gibt es nicht.
So findest du den Kompromiss zwischen Hygiene und Effizienz
Legionellenschaltung: kurz heiß, sonst sparsam
Viele Wärmepumpen haben ein Legionellenprogramm. Dabei wird das Wasser in festen Abständen auf eine höhere Temperatur gebracht, oft per Heizstab oder Sonderladung. Häufig genannt wird ein Betrieb bei 50 bis 55 Grad im Alltag und eine regelmäßige Anhebung auf 60 Grad. Ob das für dein Haus passt, hängt von Speicher, Leitungen und Nutzung ab. Lass die Einstellung deshalb vom Fachbetrieb prüfen, statt sie selbst herunterzuregeln.
Warum Absenken allein nicht reicht
Sinkt die Temperatur in einem großen Speicher oder in selten genutzten Leitungen in den kritischen Bereich zwischen 25 und 45 Grad, finden Legionellen gute Bedingungen. Das gilt besonders dort, wo Wasser lange steht: in selten genutzten Bädern, bei Urlaub oder in leerstehenden Wohnungen. Fachleute empfehlen deshalb, dass aus jeder Entnahmestelle spätestens nach 72 Stunden Wasser läuft.
Technische Lösungen, die helfen können
- Frischwasserstationen: Sie erwärmen das Trinkwasser erst bei Bedarf über einen Wärmetauscher. So muss weniger warmes Wasser vorrätig gehalten werden.
- Hygienespeicher: Sie halten das Trinkwasser getrennt vom Heizungswasser und sind auf hygienischen Betrieb ausgelegt.
- Passend dimensionierte Speicher: Als Faustregel nennt die Verbraucherzentrale etwa 50 Liter pro Person. Ein zu großer Speicher begünstigt stehendes Wasser.
- Durchdachte Leitungsführung: Kurze Wege und wenig ungenutzte Abschnitte verringern die Menge an stehendem Wasser.
Entscheidend ist, dass das Gesamtsystem zum tatsächlichen Warmwasserbedarf passt.
Was du als Eigentümer, Vermieter oder Mieter tun kannst
Eigentümer eines Einfamilienhauses
Lass bei der Planung oder Inbetriebnahme prüfen, wie Speicher, Leitungen und Legionellenschaltung zusammenspielen. Frage nach der eingestellten Temperatur und nach den Zeiten des Legionellenprogramms. Nutze alle Zapfstellen regelmäßig und spüle nach längerer Abwesenheit Duschen und Hähne einige Minuten durch.
Vermieter und Eigentümergemeinschaften
Bei zentralen Anlagen im Mehrfamilienhaus tragen Eigentümer die Verantwortung für die Trinkwasserhygiene. Dazu gehören die regelmäßige Untersuchung auf Legionellen, der Wasseraustausch in leerstehenden Wohnungen und die Dokumentation. In Wohnungseigentümergemeinschaften liegt die Untersuchung bei der Gemeinschaft, nicht bei einzelnen Eigentümern.
Mieter
Dusche und Wasserhähne nach dem Urlaub einige Minuten laufen lassen, am besten bei geöffnetem Fenster und ohne im Bad zu bleiben. Wird das Warmwasser an einer Zapfstelle nicht richtig warm oder riecht es auffällig, melde das dem Vermieter oder der Hausverwaltung. Die Temperatur der Anlage stellst du nicht selbst ein.
Wichtig: Eine thermische Desinfektion, bei der das Wasser an allen Zapfstellen auf mindestens 70 Grad gebracht wird, gehört in die Hände eines Fachbetriebs. Dabei besteht Verbrühungsgefahr.
Diese Fragen solltest du dem Fachbetrieb stellen
- Handelt es sich bei meiner Anlage um eine Klein- oder eine Großanlage?
- Auf welche Temperatur ist der Speicher im Normalbetrieb eingestellt?
- Wie oft läuft das Legionellenprogramm, und wie heiß wird das Wasser dabei?
- Passt die Speichergröße zum tatsächlichen Verbrauch im Haushalt?
- Gibt es selten genutzte Leitungsabschnitte, die ich regelmäßig spülen sollte?
Fazit: Effizienz und Hygiene gemeinsam planen
Je höher die Warmwassertemperatur, desto mehr Strom braucht die Wärmepumpe. Zu niedrige Temperaturen können aber die Trinkwasserhygiene gefährden. Die beste Lösung ist ein Konzept, das zu Gebäude, Anlagengröße und Verbrauch passt. Für verbindliche Auskünfte zu deiner Anlage wendest du dich an einen Installateur oder das Gesundheitsamt.
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