Heizen

Indoor-Wärmepumpe von Midea: Revolutioniert der PortaSplit-Hersteller auch den Heizungsmarkt?

Autorenbild: Andreas Steger
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Nach der Hype-Klimaanlage PortaSplit will Midea jetzt auch auf dem Wärmepumpenmarkt richtig angreifen. Auf der IFA 2026 in Berlin zeigte der Haushaltsgeräte-Gigant aus China mit der H-Pack eine Indoor-Wärmepumpe, die komplett ohne Außeneinheit auskommt. Das soll vor allem die Heizungsmodernisierung in Bestandsgebäuden erleichtern. Doch das ungewöhnliche Konzept bringt nicht nur Vorteile mit sich.

Mit der PortaSplit ist Midea ein bemerkenswerter Coup gelungen. Die mobile Split-Klimaanlage versprach eine deutlich effizientere und leisere Kühlung als klassische Monoblockgeräte, ohne dass dafür eine fest installierte Klimaanlage nötig war. Gerade in heißen Sommerwochen war die PortaSplit zeitweise nur schwer zu bekommen.

Auf der IFA 2026 in Berlin rückte Midea nun den nächsten großen Markt ins Visier: das Heizen. Mit der H-Pack zeigte das Unternehmen eine kompakte Luft-Wasser-Wärmepumpe, deren komplette Technik innerhalb des Gebäudes untergebracht wird. Eine sichtbare Außeneinheit an Hauswand, Terrasse oder Grundstück ist nicht erforderlich.

Damit adressiert Midea gleich mehrere typische Probleme, die den Einbau einer Wärmepumpe erschweren können: fehlender Platz im Außenbereich, mögliche Konflikte mit Nachbarn, Lärmschutzvorgaben und bauliche Einschränkungen an der Fassade.

Wie funktioniert eine Wärmepumpe ohne Außengerät?

Ganz ohne Kontakt zur Außenluft kommt auch die H-Pack nicht aus. Das Innengerät wird über zwei Luftkanäle mit der Umgebung verbunden. Ein Kanal saugt Außenluft an, der andere führt die nach dem Wärmeentzug abgekühlte Luft wieder hinaus. Die Leitungen mit einem von Midea angegebenen Durchmesser von jeweils 250 Millimetern können durch eine Außenwand oder über das Dach geführt werden.

Im Unterschied zu einer klassischen Luft-Wasser-Wärmepumpe stehen Ventilator, Verdampfer und Verdichter jedoch nicht im Garten oder an der Hauswand. Die gesamte Wärmepumpeneinheit befindet sich im Gebäude. Lediglich die Öffnungen der Luftkanäle bleiben außen sichtbar.

Das kann besonders bei Reihenhäusern, dicht bebauten Grundstücken und Gebäuden mit schützenswerten Fassaden interessant sein. Auch Eigentümer, die keine große Außeneinheit im Garten aufstellen möchten, gehören zur Zielgruppe.

Vollständig ohne bauliche Arbeiten lässt sich die Anlage allerdings nicht installieren. Die großen Zu- und Abluftkanäle müssen fachgerecht durch Wand oder Dach geführt werden. Zudem benötigt das rund 80 Kilogramm schwere Gerät einen geeigneten Aufstellort im Haus.

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Für Heizung, Kühlung und Warmwasser

Die H-Pack ist nicht nur als Heizung konzipiert. Nach Angaben des Herstellers kann sie Räume heizen und kühlen sowie Trinkwarmwasser bereitstellen. Als Kältemittel verwendet Midea das natürliche Kältemittel R290, also Propan. Dieses besitzt ein sehr niedriges Treibhauspotenzial und wird deshalb zunehmend in modernen Wärmepumpen eingesetzt.

Midea nennt eine maximale Heizleistung von 5,0 Kilowatt bei einer Außentemperatur von minus fünf Grad Celsius. Bei minus zehn Grad sollen noch bis zu 4,5 Kilowatt möglich sein. Der reine Wärmepumpenbetrieb ist laut Hersteller bei Außentemperaturen von minus 20 bis plus 35 Grad vorgesehen.

Unter Normbedingungen A7/W35 – 7 Grad Außentemperatur und 35 Grad Vorlauftemperatur – gibt Midea einen COP von 4,6 an. Aus einer Kilowattstunde Strom würden unter diesen Laborbedingungen demnach rechnerisch 4,6 Kilowattstunden Wärme. Die Energieeffizienzklasse beziffert der Hersteller bei einer Vorlauftemperatur von 35 Grad mit A+++.

Wie effizient die H-Pack in einem konkreten Gebäude arbeitet, hängt allerdings stark von Dämmstandard, Heizflächen, benötigter Vorlauftemperatur und örtlichem Klima ab. Die auf niedrige Wassertemperaturen bezogenen Herstellerwerte lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf jedes Bestandsgebäude übertragen.

Hybridlösung für bestehende Gasheizungen

Midea positioniert die H-Pack ausdrücklich auch für den Sanierungsmarkt. Die Wärmepumpe kann vollelektrisch arbeiten, lässt sich aber ebenso mit einer vorhandenen Gas- oder anderen konventionellen Heizung zu einem Hybridsystem kombinieren.

Eine intelligente Regelung soll abhängig von Außentemperatur und hinterlegten Energiepreisen entscheiden, welcher Wärmeerzeuger gerade kostengünstiger arbeitet. Alternativ kann die Steuerung auf möglichst geringe CO₂-Emissionen optimiert werden. Vorhandene Heizkörper oder Fußbodenheizungen sollen sich grundsätzlich weiterverwenden lassen.

Ein solches Konzept kann den Einstieg in die Wärmepumpentechnik erleichtern, wenn ein Gebäude noch nicht vollständig für einen alleinigen Wärmepumpenbetrieb geeignet ist. Die fossile Heizung springt dann beispielsweise an sehr kalten Tagen oder bei besonders hohem Wärmebedarf ein.

Die tatsächliche Ersparnis hängt jedoch von der Auslegung des Systems, den Energiepreisen und dem Anteil des fossilen Wärmeerzeugers ab. Eine Hybridanlage ist deshalb nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung für jedes Haus.

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App-Steuerung und Ferndiagnose

Zur Ausstattung gehört ein Systemregler mit Farb-Touchscreen und integriertem Raumtemperatursensor. Er kann Energieverbrauch, Leistung und Effizienz anzeigen. Außerdem soll sich die Anlage über die Midea-SmartHome-App bedienen lassen.

Vorgesehen ist zudem die Einbindung in Photovoltaikanlagen, Smart-Home-Systeme und intelligente Stromnetze. Eine Ferndiagnose soll Installateuren ermöglichen, Betriebsdaten zu prüfen und bestimmte Probleme zu identifizieren, ohne sofort einen Techniker zum Kunden schicken zu müssen. Das könnte Wartungskosten senken und Ausfallzeiten verkürzen.

Für Installationsbetriebe verspricht Midea einen vergleichsweisen einfachen Zugang zu den Komponenten. Ob die Wartung im Alltag tatsächlich leichter ausfällt als bei konventionellen Wärmepumpen, muss sich allerdings erst im Praxiseinsatz zeigen.

Ist die Indoor-Wärmepumpe wirklich leise?

Der Verzicht auf ein Außengerät beseitigt eine wichtige Lärmquelle im Außenbereich. Nachbarn werden damit kaum durch einen vor dem Gebäude arbeitenden Ventilator gestört. Der Schall verschwindet jedoch nicht vollständig, sondern verlagert sich teilweise ins Haus und an die Öffnungen der Luftkanäle.

Midea nennt für das Innengerät einen Schalldruckpegel von 34 Dezibel in einem Meter Entfernung, was in etwa einem leisen, weit entfernten Kühlschrank entspricht. Für die Außenseite werden 47 Dezibel angegeben. Wo und wie die Anlage eingebaut wird, dürfte deshalb entscheidend sein. Direkt neben einem Schlaf- oder Wohnraum wäre eine andere akustische Planung erforderlich als in einem Keller, Hauswirtschaftsraum oder Technikgeschoss.

Auch die Luftführung muss sorgfältig dimensioniert werden. Bei einem von Midea angegebenen Luftvolumenstrom von bis zu 1.300 Kubikmetern pro Stunde können ungeeignete Kanäle oder ungünstig platzierte Öffnungen zusätzliche Strömungsgeräusche verursachen.

Kann Midea mit der H-Pack den Heizmarkt verändern?

Das Grundkonzept besitzt zweifellos Potenzial. Eine Wärmepumpe ohne sichtbare Außeneinheit kann dort eine Lösung sein, wo herkömmliche Geräte an Platzmangel, Abstandsregeln, Denkmalschutz oder Widerstand in der Nachbarschaft scheitern. Die Möglichkeit, vorhandene Heizungen zunächst einzubinden, macht das System zusätzlich für ältere Gebäude interessant.

Eine Revolution wie bei der PortaSplit ist dennoch nicht garantiert. Eine Heizungsanlage ist erheblich komplexer und kostspieliger als eine mobile Klimaanlage. Kaufentscheidung, Planung und Installation hängen von Fachbetrieben, Gebäudezustand, Heizlast und Förderbedingungen ab. Mit bis zu fünf Kilowatt Heizleistung dürfte die einzelne H-Pack zudem nicht für jedes Einfamilienhaus ausreichen.

Entscheidend werden daher der endgültige Verkaufspreis, die Installationskosten, die Verfügbarkeit qualifizierter Fachbetriebe sowie unabhängige Verbrauchs- und Geräuschmessungen sein. Konkrete Angaben zu Preis und breitem Marktstart nennt Midea auf seiner deutschen Produktseite zur H-Pack bislang nicht.

Die H-Pack löst also nicht jedes Problem der Heizungsmodernisierung. Sie erweitert aber die Auswahl – vor allem für Gebäude, bei denen eine konventionelle Außeneinheit bislang als Ausschlusskriterium galt. Sollte Midea das System zu einem wettbewerbsfähigen Gesamtpreis anbieten und ähnlich konsequent vermarkten wie die PortaSplit, könnte die Indoor-Wärmepumpe zumindest eine bislang kleine Produktkategorie deutlich bekannter machen.

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