Ratgeber

In diesen Ruhrgebietsstädten bleibt nach der Warmmiete mehr Geld übrig als in München

Autorenbild Kilian Treß
immowelt App herunterladen

Hohe Mieten gelten vielerorts inzwischen als Normalität. Doch ausgerechnet das Ruhrgebiet zeigt, dass Wohnen in Deutschland noch bezahlbar sein kann. In mehreren Städten fließt weniger als ein Fünftel des Haushaltseinkommens in die Miete. Damit lässt die Region selbst viele wohlhabendere Großstädte hinter sich.

Das Ruhrgebiet wird zum Gegenentwurf von München und Berlin

Wer an günstiges Wohnen denkt, hat meist ländliche Regionen vor Augen. Die aktuellen Daten zu Einkommen und Warmmieten zeichnen jedoch ein anderes Bild. Ausgerechnet mitten im größten Ballungsraum Deutschlands finden sich zahlreiche Städte, in denen Haushalten nach Abzug der Wohnkosten besonders viel Geld zum Leben bleibt.

Spitzenreiter bei der Wohnkostenbelastung im Ruhrgebiet ist Duisburg. Dort verfügen Haushalte im Schnitt über ein Nettoeinkommen von 3.982 Euro im Monat. Für eine 90-Quadratmeter-Wohnung werden durchschnittlich 913 Euro Warmmiete fällig. Das entspricht lediglich 22,9 Prozent des Einkommens. Nach Abzug der Warmmiete bleiben rechnerisch rund 3.069 Euro übrig.

Auch Gelsenkirchen schneidet stark ab. Dort liegt das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen bei 3.681 Euro, die Warmmiete für 90 Quadratmeter bei 859 Euro. Damit fließen nur 23,3 Prozent des Einkommens in die Wohnkosten. Nach Abzug der Warmmiete bleiben rund 2.822 Euro übrig.

Die eigentliche Überraschung liegt allerdings in Mülheim an der Ruhr. Die Stadt zwischen Duisburg und Essen kommt auf ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von 4.168 Euro im Monat. Trotz einer Warmmiete von 1.013 Euro für eine 90-Quadratmeter-Wohnung bleiben rechnerisch 3.155 Euro übrig – mehr als in jeder anderen Großstadt des Ruhrgebiets und sogar mehr als in München.

Der Vergleich mit München

Zum Vergleich: Münchner Haushalte erzielen mit durchschnittlich 5.094 Euro zwar ein deutlich höheres Einkommen. Gleichzeitig müssen sie für eine vergleichbare Wohnung aber durchschnittlich 2.146 Euro Warmmiete zahlen. Damit verschlingen die Wohnkosten 42,1 Prozent des Einkommens. Nach Abzug der Warmmiete bleiben noch rund 2.948 Euro.

Das überraschende Ergebnis: Haushalten in Mülheim an der Ruhr bleibt nach der Warmmiete rund 207 Euro mehr als Münchner Haushalten. Auch Essen liegt mit 3.008 Euro noch vor München. Das zeigt, wie stark hohe Wohnkosten den Einkommensvorsprung teurer Metropolen aufzehren können.

Das sind die Großstädte des Ruhrgebiets im Vergleich zu München

Stadt Einkommen Warmmiete
(90 qm)
Anteil Übrig
Mülheim an der Ruhr 4.168 € 1.013 € 24,3 % 3.155 €
Essen 4.058 € 1.050 € 25,9 % 3.008 €
Duisburg 3.982 € 913 € 22,9 % 3.069 €
München 5.094 € 2.146 € 42,1 % 2.948 €
Dortmund 3.858 € 985 € 25,5 % 2.873 €
Herne 3.750 € 894 € 23,8 % 2.856 €
Gelsenkirchen 3.681 € 859 € 23,3 % 2.822 €
Bochum 3.793 € 984 € 26,0 % 2.809 €
Hagen 3.697 € 948 € 25,7 % 2.749 €
Oberhausen 3.668 € 979 € 26,7 % 2.689 €
Bottrop 3.496 € 909 € 26,0 % 2.587 €
Hamm 3.509 € 929 € 26,5 % 2.580 €

Auffällig ist dabei die Breite des Trends. Selbst Essen als größte Ruhrgebietsstadt muss im Durchschnitt nur rund 26 Prozent des Haushaltseinkommens für die Warmmiete aufbringen. In München sind es dagegen mehr als 42 Prozent.

Warum das Ruhrgebiet plötzlich wieder interessant wird

Die Daten deuten auf einen klaren Standortvorteil hin. Wer im Ruhrgebiet lebt, muss einen deutlich kleineren Teil seines Einkommens für die Warmmiete ausgeben als Bewohner vieler anderer deutscher Großstädte.

Besonders spannend wird das für Menschen, die teilweise oder vollständig im Homeoffice arbeiten. Wer beispielsweise aus Berlin nach Duisburg ziehen würde, hätte laut Datensatz exakt das gleiche durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen von 3.982 Euro. Die Warmmiete für eine vergleichbare Wohnung liegt in Duisburg jedoch bei 913 Euro statt 1.525 Euro in Berlin. Rein rechnerisch bleiben einem Duisburger Haushalt damit jeden Monat rund 612 Euro mehr übrig. Aufs Jahr gerechnet sind das mehr als 7.300 Euro zusätzlicher finanzieller Spielraum.

Der Pott könnte zum Wohn-Geheimtipp werden

Lange galt das Ruhrgebiet vor allem als ehemalige Industrieregion. Doch bei der Kombination aus Einkommen und Wohnkosten entwickelt sich der Pott zunehmend zu einem der attraktivsten Wohnstandorte Deutschlands.

Während in München mehr als 40 Prozent des Einkommens für die Warmmiete verschwinden, bleibt Haushalten zwischen Duisburg, Essen, Mülheim und Gelsenkirchen oft rund drei Viertel ihres Einkommens für Konsum, Freizeit oder Vermögensaufbau.

Ausgerechnet die Malocherstädte zeigen damit, dass bezahlbares Wohnen in Deutschland noch möglich ist. Und zwar nicht auf dem Land, sondern mitten in einer Region mit mehr als fünf Millionen Einwohnern.

(1)
1 von 5 Sternen
5
 
4
 
3
 
2
 
1
 
Deine Bewertung:

Seite weiterleiten

Artikel drucken

War dieser Artikel hilfreich?

immowelt Redaktionskodex

Die immowelt Redaktion verfügt über ein breites Immobilienwissen und bietet den Lesern sorgfältig recherchierte Informationen in hilfreichen Ratgebertexten. Der Anspruch der immowelt Experten ist es, komplexe Sachverhalte möglichst einfach wiederzugeben. Sämtliche Inhalte werden regelmäßig überprüft und verlässlich aktualisiert. Die immowelt Redaktion kann und darf keine rechtsgültige Beratung leisten. Für rechtsverbindliche Auskünfte empfehlen wir stets den Rat eines Fachanwalts, Eigentümer- oder Mieterverbands einzuholen.

Hier geht es zu unserem Impressum, den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, den Hinweisen zum Datenschutz und nutzungsbasierter Online-Werbung.