Steigende Bauzinsen und hohe Immobilienpreise erschweren vielen Haushalten den Weg ins Eigenheim. Da wirkt der Mietkauf auf den ersten Blick wie eine attraktive Alternative ohne hohen Kredit und ohne großes Eigenkapital. Doch kann das Modell in Zeiten hoher Zinsen tatsächlich Vorteile bieten oder wird der Traum vom Eigenheim am Ende sogar noch teurer?
Kaufen oder Mieten? Oder Mietkaufen? Foto: stock.adobe.com
Die Immobilienpreise sind zwar nicht mehr so stark gestiegen wie in den Boomjahren. Wirklich günstig sind Häuser und Wohnungen aber vielerorts weiterhin nicht. Gleichzeitig müssen Käufer heute für eine Baufinanzierung häufig 4 Prozent Zinsen oder mehr einkalkulieren. Wer kaum Eigenkapital mitbringt, landet bei manchen Angeboten sogar noch darüber.
Kein Wunder also, dass der Mietkauf wieder verstärkt Aufmerksamkeit erhält. Das Modell Mietkauf verspricht einen Weg ins Eigenheim ohne hohe Ersparnisse und ohne sofort einen großen Immobilienkredit aufnehmen zu müssen. Doch lohnt sich das tatsächlich?
Gerade bei hohen Zinsen klingt Mietkauf verlockend
Wer heute eine Immobilie für 450.000 Euro finanzieren möchte, zahlt bei einer Vollfinanzierung schnell monatliche Kreditraten von über 2.000 Euro. Gleichzeitig verlangen viele Banken mittlerweile strengere Bonitätsprüfungen als noch vor einigen Jahren.
Ein Mietkauf scheint auf den ersten Blick eine Lösung zu bieten. Statt einen Kredit aufzunehmen, wird die Immobilie zunächst gemietet. Ein Teil der monatlichen Zahlung fließt später in den Kaufpreis ein. Eigenkapital ist oft kaum oder gar nicht erforderlich.
Das Problem: Hohe Zinsen machen auch Mietkauf nicht automatisch attraktiv
Der entscheidende Irrtum vieler Interessenten: Beim Mietkauf verschwinden die Finanzierungskosten nicht einfach.
Auch der Verkäufer möchte für die jahrelange Vorfinanzierung entschädigt werden. Deshalb enthalten Mietkaufmodelle häufig hohe Mietzinsen und Aufschläge. Das führt dazu, dass die Gesamtkosten oft über denen einer klassischen Baufinanzierung liegen.
Gerade weil die Zinsen derzeit hoch sind, lassen sich auch Verkäufer dieses Risiko entsprechend bezahlen. Der Mietkauf wird dadurch nicht automatisch günstiger, sondern kann sogar noch teurer werden.
Für wen kann Mietkauf trotzdem interessant sein?
Trotzdem gibt es eine Zielgruppe, für die Mietkauf aktuell wieder relevanter wird: Menschen, die zwar die monatliche Belastung stemmen könnten, aber keine Finanzierung von der Bank erhalten.
Dazu gehören etwa:
- Haushalte ohne Eigenkapital
- Selbstständige mit schwankendem Einkommen
- Käufer nach einer beruflichen Neuorientierung
- Familien, die innerhalb der Familie eine Immobilie übernehmen möchten
Für sie kann Mietkauf eine Brücke ins Eigenheim sein, auch wenn die Gesamtkosten meist höher ausfallen.
Fazit: Nur ein Gedankenspiel, selten eine Alternative
Die hohen Bauzinsen machen Mietkauf nicht automatisch attraktiv. Im Gegenteil: Da auch Verkäufer ihre Finanzierungskosten einpreisen, bleibt das Modell häufig teurer als ein klassischer Immobilienkredit.
Dennoch könnte der Mietkauf 2026 für einige Haushalte wieder interessanter werden. Nicht weil er günstiger ist, sondern weil viele Käufer trotz ausreichendem Einkommen Schwierigkeiten haben, eine Finanzierung zu erhalten. Wer von seiner Bank eine Zusage bekommt, fährt in den meisten Fällen weiterhin besser mit einer klassischen Baufinanzierung. Wer dagegen an fehlendem Eigenkapital oder strengen Kreditvorgaben scheitert, könnte im Mietkauf eine Alternative finden.
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