Energie

Fraunhofer-Studie: Wärmepumpe im Altbau spart 64 Prozent CO₂ gegenüber Gasheizung

Autorenbild: Andreas Steger

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Update vom 27.08.2026: Wir haben den Artikel um zusätzliche Ergebnisse aus der Original-Studie ergänzt, die bislang nicht eingeflossen waren – insbesondere zur CO₂-Bilanz, zum Vergleich mit der Vorgängerstudie und zur Frage, ob das Baujahr eines Hauses die Effizienz beeinflusst. Der Artikel ist ursprünglich am 05.11.2025 erschienen.

Lange galten Wärmepumpen vor allem als Lösung für Neubauten. Doch eine Langzeit-Studie des Fraunhofer-Instituts zeigt: Auch in Altbauten arbeiten die Systeme überraschend effizient – mit einem klaren Sieger bei der Technikwahl und einer überraschenden Erkenntnis zum Baujahr der Gebäude.

Wärmepumpen werden auch für alte Häuser interessant

Noch vor wenigen Jahren galten Wärmepumpen vor allem als Technik für Neubauten. Doch das ändert sich: Laut Fraunhofer ISE wurden 2024 bereits fast 70 Prozent aller neuen Häuser mit Wärmepumpen beheizt – und auch Eigentümer älterer Gebäude ziehen nach. Neue Modelle arbeiten effizienter, selbst wenn das Haus nicht auf Neubaustandard saniert wurde.

Fraunhofer-Forschende messen reale Effizienz

Das Forschungsprojekt trägt offiziell den Namen "Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand" (WP-QS im Bestand) und ist der Nachfolger des bereits 2019 abgeschlossenen Projekts "WPsmart im Bestand". Ein Team des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) hat gemeinsam mit zwei Energieversorgern und neun Wärmepumpenherstellern vier Jahre lang die Leistung von 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern untersucht. Die Gebäude stammten aus den Jahren 1826 bis 2001 – also echte Altbauten. 61 der getesteten Anlagen nutzten Außenluft als Energiequelle, 16 arbeiteten mit Erdwärme.

Die Forscher ermittelten dabei die sogenannte Jahresarbeitszahl (JAZ), also das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom. Sie zeigt, wie effizient eine Anlage im Betrieb tatsächlich ist.

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Luft oder Erde? Der Effizienzvergleich

Die Ergebnisse sind deutlich: Luft-Wärmepumpen erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4. Das bedeutet, dass eine Kilowattstunde Strom im Durchschnitt 3,4 Kilowattstunden Wärme liefert. Bei den erdbasierten Wärmepumpen lag der Wert hingegen bei 4,3 – und damit klar höher. Insgesamt bewegten sich die gemessenen Werte in einer Bandbreite von 2,6 bis 5,4.

Neu eingeordnet: Im Vergleich zur Vorgängerstudie von 2019 ist das ein echter Fortschritt – damals lag der Schnitt bei Luft-Wärmepumpen noch bei einer JAZ von 3,1. Die Technik hat sich in fünf Jahren also spürbar weiterentwickelt.

Überraschung: Das Baujahr spielt keine Rolle

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie wurde bisher kaum berichtet: Die Forschenden konnten keine Korrelation zwischen dem Baujahr der Gebäude und der Effizienz der Wärmepumpen feststellen. Auch unsanierte Häuser erzielten gute Werte – vorausgesetzt, Heizflächen und Hydraulik waren richtig dimensioniert. Ausreichend große Heizkörper lassen sich demnach mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen betreiben wie Flächenheizungen.

Das ist eine wichtige Botschaft für Eigentümer, die eine energetische Vollsanierung scheuen: Nicht das Alter des Hauses entscheidet über die Wärmepumpen-Eignung, sondern die korrekte Auslegung von Heizkörpern und Anlage.

CO₂-Bilanz: 64 Prozent weniger Emissionen als Gasheizungen

Erstmals wurde in der Studie die CO₂-Bilanz mit einer zeitvariablen statt der bisher üblichen statischen Berechnungsmethode ermittelt – das berücksichtigt, dass der Strommix je nach Tageszeit unterschiedlich klimafreundlich ist. Das Ergebnis: Die untersuchten Wärmepumpen stießen im Jahr 2024 im Schnitt 64 Prozent weniger CO₂ aus als vergleichbare Erdgasheizungen. Nach der bisherigen statischen Methode lag der Wert bei 60 Prozent – die genauere Berechnung fällt also sogar noch etwas positiver aus.

Zusatzergebnisse: Lautstärke und Solar-Kombination

Das Forschungsteam führte außerdem Langzeit-Schallmessungen an fünf ausgewählten Anlagen durch und untersuchte bei sechs Wärmepumpen, wie sich eine Kombination mit Photovoltaik auf Autarkie und Eigenverbrauch auswirkt. Diese Detailergebnisse sind besonders für Hausbesitzer relevant, die eine Wärmepumpe mit bestehender oder geplanter PV-Anlage kombinieren möchten.

Fazit: Erdwärmepumpen schlagen Luftsysteme deutlich – aber beide funktionieren im Altbau

Während Luft-Wärmepumpen im Altbau solide Ergebnisse liefern, bleiben sie temperaturabhängig und verlieren bei Kälte an Effizienz. Erdwärmepumpen dagegen nutzen das konstante Temperaturniveau im Boden – und das zahlt sich aus. Sie liefern im Schnitt rund 25 Prozent mehr Heizenergie pro eingesetzter Strommenge. Wer über eine Wärmepumpe im Altbau nachdenkt, findet in der Erdwärmepumpe die effizienteste Lösung – auch wenn Bohrungen und höhere Investitionen anfallen.

Die eigentlich beruhigende Erkenntnis der Studie ist aber eine andere: Weder das Baujahr noch der fehlende Vollsanierungsstandard sind ein Ausschlusskriterium. Entscheidend ist die fachgerechte Planung von Heizflächen und Anlagentechnik – dann funktionieren Wärmepumpen laut Fraunhofer ISE zuverlässig und klimafreundlich, unabhängig vom Alter des Gebäudes.

Buchtipp: Das Wärmepumpen Handbuch ohne Fachchinesisch erklärt verständlich und praxisnah, wie Wärmepumpen funktionieren, welche Voraussetzungen Gebäude erfüllen müssen und welche Systeme sich in welchem Fall eignen. Zudem behandelt es Kosten, Förderungen, Planung, Installation und Betrieb, um Hausbesitzern eine fundierte und langfristig wirtschaftliche Entscheidung für den Heizungstausch zu ermöglichen.

Quellen: Fraunhofer ISE (Pressemitteilung vom 03.11.2025, Forschungsprojekt "WP-QS im Bestand"), waermepumpe.de (BWP).

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