Die EZB erhöht erneut die Zinsen: Wegen des neuen Inflationsschubs steigt der Einlagensatz um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent. Vor allem stark gestiegene Energiepreise treiben die Teuerung – verschärft durch die Kriege im Iran und in der Ukraine. Für Sparer eröffnet die Zinswende neue Chancen, für Kreditnehmer dürfte es dagegen teuer bleiben.
Christine Lagarde, Vorsitzende der Europäischen Zentralbank, verkündet die nächste Zinserhöhung. Foto: EZB
Schlüsselpunkte zum EZB-Zinsentscheid
- Inflation zieht wieder an: Die Teuerungsrate im Euroraum ist im August auf 3,3 Prozent gestiegen – und liegt damit deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB.
- Energie ist der größte Preistreiber: Energie verteuerte sich binnen eines Jahres um 14,3 Prozent. Zusätzlich sorgt der Ölpreisanstieg auf rund 102 Dollar je Barrel Brent für neuen Kostendruck.
- Sparer profitieren, Kreditnehmer stehen unter Druck: Tages- und Festgeldzinsen könnten steigen. Gleichzeitig bleibt die Finanzierung von Immobilien und anderen größeren Anschaffungen teuer.
Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert auf den erneuten Anstieg der Inflation und hebt die Zinsen an. Der Einlagensatz steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent. Damit vollzieht die Notenbank eine erneute Kehrtwende in ihrer Geldpolitik: Die Phase sinkender Zinsen ist vorerst beendet.
Ausschlaggebend für die Entscheidung ist vor allem die Preisentwicklung der vergangenen Monate. Nach der jüngsten Schnellschätzung von Eurostat lag die Inflationsrate im Euroraum im August bei 3,3 Prozent – nach 2,9 Prozent im Juli. Damit entfernt sich die Teuerung wieder deutlich vom mittelfristigen Zwei-Prozent-Ziel der EZB.
Besonders auffällig ist, woher der neue Preisdruck kommt: Energie verteuerte sich im August um 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nachdem die Rate im Juli bereits bei 10,3 Prozent gelegen hatte. Dienstleistungen verteuerten sich dagegen um 3,0 Prozent, Industriegüter ohne Energie um 1,2 Prozent, so die Eurostat-Schätzung.
Energiepreise treiben die Inflation
Damit unterscheidet sich die aktuelle Situation von einem breit angelegten Inflationsschub. Der stärkste Druck kommt derzeit aus dem Energiesektor. Ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak lag die sogenannte Kerninflation im August bei 2,4 Prozent.
Eine zentrale Rolle spielen dabei die geopolitischen Konflikte. Der Krieg im Iran und der weiterhin andauernde Krieg Russlands gegen die Ukraine haben die Unsicherheit an den Energiemärkten erheblich erhöht. Steigende Ölpreise schlagen zunächst auf Kraftstoffe und Transportkosten durch. In der Folge können auch Produktion, Logistik und andere energieintensive Bereiche teurer werden.
Der Ölpreis verdeutlicht den Druck: Brent-Rohöl kostet derzeit rund 102 US-Dollar je Barrel. Ein derart hohes Niveau war zuletzt im Juli zu beobachten. Für Europa ist diese Entwicklung besonders relevant, weil höhere Preise für importierte Energie letztlich auch bei Unternehmen und Verbrauchern ankommen können.
Genau diese Entwicklung bringt die EZB in eine schwierige Lage. Ein Zinsschritt kann weder zusätzliches Öl fördern noch geopolitische Konflikte lösen. Die Zentralbank kann aber versuchen zu verhindern, dass sich der zunächst von Energie ausgehende Preisschub dauerhaft in der gesamten Wirtschaft festsetzt – etwa über höhere Lohnforderungen und steigende Preise für andere Waren und Dienstleistungen.
Warum die EZB jetzt die Zinsen erhöht
Das Ziel der EZB ist eine Inflationsrate von zwei Prozent auf mittlere Sicht. Mit aktuell 3,3 Prozent liegt die Teuerung deutlich darüber. Gleichzeitig zeigt der Sprung der Energieinflation von 10,3 auf 14,3 Prozent, dass die Risiken für die Preisstabilität zuletzt wieder zugenommen haben.
Mit der Zinserhöhung signalisiert die EZB deshalb, dass sie einen erneuten dauerhaften Inflationsschub nicht hinnehmen will. Höhere Zinsen verteuern Kredite, bremsen tendenziell Investitionen und Konsum und können so die Nachfrage in der Wirtschaft dämpfen. Gleichzeitig werden Sparanlagen attraktiver.
Allerdings spricht die Zusammensetzung der Inflation gegen die Annahme, dass nun automatisch eine ganze Serie von Zinserhöhungen folgt. Während die Energiepreise kräftig steigen, ist der zugrunde liegende Preisdruck deutlich moderater. Auch Ökonomen sehen bislang nur begrenzte Hinweise darauf, dass der Energieschock dauerhaft auf Löhne und andere Preise überspringt.
Hausbauer müssen langfristig mit höheren Zinsen rechnen
Wer ein Haus bauen oder eine Immobilie kaufen möchte, muss sich voraussichtlich längerfristig auf höhere Finanzierungskosten einstellen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen müssen sich hoch verschuldete Staaten bei steigenden Zinsen selbst zu deutlich teureren Konditionen refinanzieren. Hohe staatliche Kreditaufnahme kann zusätzlich Druck auf die langfristigen Kapitalmarktzinsen ausüben.
Zum anderen orientieren sich Bauzinsen nicht unmittelbar am EZB-Leitzins, sondern vor allem an den Renditen langfristiger Anleihen. Die stehen in Deutschland aber auch in vielen anderen Staaten wie Frankreich oder den USA auf auf einem Mehrjahreshoch. Zudem sind die Inflationserwartungen durch die Leitzinsanhebung nicht perse gedämpft. Bei einem Darlehen über 400.000 Euro verursacht ein um 0,5 Prozentpunkte höherer Kreditzins anfänglich rund 2.000 Euro zusätzliche Zinskosten pro Jahr.
Was die Zinserhöhung für Sparer bedeutet
Für Sparer ist der Schritt grundsätzlich eine gute Nachricht. Steigt der Einlagensatz der EZB, erhalten Banken wieder höhere Zinsen dafür, überschüssige Liquidität bei der Zentralbank zu parken. Dadurch wächst auch der Spielraum für höhere Tages- und Festgeldzinsen. Allerdings werden die besseren Konditionen nicht zwangsläufig sofort bei den Kunden ankommen. Banken geben Veränderungen der Zentralbankzinsen unterschiedlich schnell und nicht immer vollständig weiter.
Wer größere Geldbeträge auf einem niedrig verzinsten Tagesgeldkonto liegen hat, sollte daher die Konditionen vergleichen. Bei Festgeld kann es sinnvoll sein, nicht das gesamte Kapital über mehrere Jahre zu binden. Sollten weitere Zinsschritte folgen, könnten sich später noch attraktivere Angebote ergeben.
Wie es mit den Zinsen weitergeht
Entscheidend wird nun sein, ob der aktuelle Inflationsschub vorübergehend bleibt oder sich verfestigt. Gehen die Öl- und Energiepreise wieder zurück und bleibt die Kerninflation vergleichsweise stabil, könnte die EZB nach der jetzigen Erhöhung zunächst abwarten.
Bleiben Öl, Gas und Kraftstoffe dagegen teuer und übertragen sich die höheren Energiekosten zunehmend auf andere Bereiche der Wirtschaft, wächst der Druck auf die Notenbank, erneut zu handeln.
Die kommenden Inflationsdaten dürften deshalb mindestens ebenso wichtig sein wie die heutige Zinsentscheidung. Die EZB hat mit der Erhöhung vor allem ein Signal gesetzt: Solange der neue Preisschub die Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel gefährdet, hat die Bekämpfung der Inflation wieder Vorrang.
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