Update vom 27.08.2026: Wir haben den Artikel um bislang nicht berichtete Ergebnisse zur Warmwasser-Optimierung sowie um eine wichtige Einschränkung der Technologie ergänzt.
Wärmepumpen sind schon jetzt deutlich effizienter als Gasheizungen – doch Forscher des Fraunhofer ISE zeigen, dass mit Künstlicher Intelligenz noch mehr drin ist. In Praxistests konnten sie nicht nur Energie sparen, sondern auch den Wohnkomfort steigern. Allerdings zeigt die Studie auch: Die Technik hat noch eine wichtige Hürde zu nehmen.
Die Wärmepumpe der Zukunft weiß mehr als du über deine Wohnung. Foto: KI / Photoshop
KI passt Wärmepumpen live an die Bedingungen an
Bisher werden Wärmepumpen bei der Installation mit festen Heizkurven eingestellt – oft auf Basis von Erfahrungswerten, nicht auf die individuellen Gegebenheiten des Hauses. Das bedeutet: Wenn sich Sonneneinstrahlung, Außentemperatur oder Nutzungsverhalten ändern, reagieren die Geräte nur eingeschränkt.
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat im Projekt AI4HP gemeinsam mit Partnern wie CEA List aus Frankreich, dem Industriepartner EDF R&D und Stiebel Eltron einen KI-gestützten Regler entwickelt, der genau das löst: Er erfasst laufend Daten wie Gebäudegröße, Dämmung, Wetter und Bewohnerverhalten, gleicht diese mit den Eigenschaften der Wärmepumpe ab und optimiert den Betrieb in Echtzeit.
Wie die Forscher getestet haben
Für den deutschen Teil des Projekts simulierten die Forschenden drei unterschiedliche Gebäude verschiedener Baujahre und energetischer Sanierungsstände – jeweils über eine komplette Heizsaison hinweg. So ließ sich prüfen, wie robust die KI-Regelung unter realistisch unterschiedlichen Ausgangsbedingungen funktioniert.
Die Vorteile im Überblick
- Mehr Komfort durch präzisere Temperatursteuerung Die KI kann die Solltemperatur in den Räumen genauer einhalten, Abweichungen werden deutlich seltener. Das sorgt für gleichbleibende Behaglichkeit – ganz ohne manuelles Nachjustieren.
- Energieeinsparung von durchschnittlich 13 Prozent In den Tests konnten die Forscher den Energieverbrauch um 13 Prozent gegenüber der Standardheizkurve senken. Experten sehen noch weiteres Potenzial, wenn die KI das Effizienzprofil der Wärmepumpe noch besser kennenlernt.
- Auch beim Warmwasser: bis zu 8 Prozent Ersparnis Ein bisher kaum berichtetes Detail der Studie: Die französischen Projektpartner konzentrierten sich in einem eigenen Teilprojekt auf die Optimierung von Warmwasser-Wärmepumpen. In einem Hardware-in-the-Loop-Laborversuch – durchgeführt in einer Klimakammer mit einer echten Wärmepumpe und einem realen Verbrauchsprofil – ließ sich der Stromverbrauch für die Warmwasserbereitung um bis zu 8 Prozent senken.
- Automatische Anpassung statt Handarbeit Eine aufwendige Kalibrierung durch Installateure entfällt. Die KI regelt nicht nur einmalig, sondern passt die Leistung kontinuierlich an wechselnde Bedingungen an – auch bei sich ändernder Wetterlage oder geänderten Nutzungszeiten.
- Funktioniert in unterschiedlich sanierten Gebäuden Die Praxistests fanden in Häusern verschiedener Baujahre und energetischer Standards statt. Das System konnte sich in allen Fällen erfolgreich anpassen.
- Weniger Wartungsaufwand und Kosten Da die Wärmepumpe effizienter läuft, sinken nicht nur die Stromkosten, sondern auch der Verschleiß. Das kann langfristig Wartungsintervalle verlängern und Reparaturen reduzieren.
Der Haken: Die KI ist nur so gut wie ihr Gebäudemodell
Was in bisherigen Berichten zu diesem Projekt fehlte: Die Forschenden weisen selbst darauf hin, dass eine gute Leistung des neuen Reglers hohe Anforderungen an die Genauigkeit des KI-Gebäudemodells stellt. Das System funktioniert also nicht einfach "out of the box" – die KI muss die individuellen Eigenschaften eines Gebäudes erst präzise erfassen, damit die Effizienzgewinne auch tatsächlich eintreten. Für die Praxistauglichkeit im großen Maßstab ist das ein relevanter Faktor, den Hausbesitzer bei der Erwartungshaltung berücksichtigen sollten – die Technik ist vielversprechend, aber (noch) kein Selbstläufer.
Fazit
Die AI4HP-Ergebnisse zeigen: KI-gestützte Regelung kann Wärmepumpen sowohl beim Heizen als auch bei der Warmwasserbereitung spürbar effizienter machen – bis zu 13 beziehungsweise 8 Prozent Einsparung sind keine Randnotiz. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass der Erfolg stark von der Qualität der zugrundeliegenden Gebäudemodellierung abhängt. Bis derartige Regler serienreif und für breite Anwendung robust genug sind, dürfte also noch etwas Entwicklungsarbeit nötig sein.
Quellen: Fraunhofer ISE (Projektseite AI4HP), ee-news.ch, enbw-eg.de.
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