Der Krieg im Iran scheint für uns weit weg zu sein – die Folgen für deutsche Hauskäufer sind es nicht. Wer gerade eine Finanzierung plant oder eine Anschlussfinanzierung sucht, sollte verstehen, warum jetzt Eile geboten ist.
Kaufen oder nicht? Hohe Zinsen waren zuletzt der Hauptgrund, warum ein Kauf nicht wirtschaftlich erschien. Doch der Markt wendet sich. Foto: stock.adobe.com
Öl, Dollar, Inflation – die Kette beginnt
Die Auswirkungen des Krieges im Iran kommen allmählich auch in Europa an – und beim Bauzins spürt man es bereits. Er zieht gerade über die Vier-Prozent-Grenze. Mit spürbaren Folgen für alle, die gerade kaufen oder bauen wollen.
Der Grund dafür ist eine Kettenreaktion. Ausgelöst vom steigenden Ölpreis, zieht der Dollar an, Transportkosten und Produktionskosten folgen nach. Was teurer produziert und geliefert wird, kostet im Laden mehr – der Einkaufskorb wird teurer. Voraussichtlich werden sich diese Entwicklungen schon bei den kommenden Inflationsdaten für März im April zeigen.
Ein früher Indikator sind dabei die Anleihen. Steigen die Inflationserwartungen, verlangen Investoren mehr Rendite für Bundesanleihen – weil ihr Geld sonst real an Wert verliert. Und genau diese Anleiherenditen sind es, an denen sich der Bauzins orientiert, nicht in erster Linie am EZB-Leitzins, wie viele glauben.
"Finanzierungen bis zum 120fachen vom Haushaltseinkommen sind möglich." Tom Kiske, Geschäftsführer Baudarlehen24.de.
„Der Leitzins bestimmt lediglich, was die Bank der Europäischen Zentralbank für geliehenes Geld zahlt. Du als Kreditnehmer zahlst das zusätzlich um einen Risikoaufschlag, der die Unsicherheit der nächsten zehn oder fünfzehn Jahre einpreist. Und dieser Aufschlag orientiert sich an den Anleiherenditen", erklärt Tom Kiske von BauDarlehen24.
Die 4-Prozent-Marke ist gefallen
Kiske beobachtet die Bauzinsen seit Beginn des Iran-Konfliktes sehr genau. Was er sieht, ist eindeutig: Die Zinsen sind wieder über die markante Vier-Prozent-Marke gesprungen. Und das muss lange nicht das Ende sein.
Nur zu gut sind die Erinnerungen an die Energiekrise, die vor wenigen Jahren durch die russische Invasion in der Ukraine ausgelöst wurde. Die Inflation stieg auf über acht Prozent, der EZB-Leitzins kletterte von null auf vier Prozent – und die Bauzinsen stiegen innerhalb weniger Monate von unter einem Prozent auf über drei Prozent. Eine Entwicklung, die viele Hauskäufer damals kalt erwischt hat.
Wer wartet, zahlt drauf
„Aus dieser jüngeren Vergangenheit lassen sich klare Lehren ziehen. Wer jetzt finanzieren will, sollte heute den Abschluss suchen und nicht warten. Die Situation im Nahen Osten ist so undurchsichtig, dass der Risikoaufschlag bei Banken sehr schnell steigen kann. "Was heute noch erschwinglich wirkt, kann morgen schon deutlich teurer sein", sagt Kiske.
Besonders betroffen sind Menschen, deren Zinsbindung gerade ausläuft. Wer vor zehn Jahren finanziert hat, tat das zu historischen Ausnahmebedingungen – Zinsen von teilweise unter einem Prozent, eine Situation, die damals niemand für dauerhaft halten durfte und die heute endgültig vorbei ist. Diese Menschen suchen jetzt eine Anschlussfinanzierung zu Konditionen, die um ein Vielfaches höher liegen als damals.
Jeder Zehntelprozentpunkt zählt
Und hier zählt jeder Zehntelprozentpunkt. Bei einem Restdarlehen von 250.000 Euro und zehn Jahren Laufzeit macht ein Unterschied von 1,0 Prozent rund 25.000 Euro aus. „Das klingt nach wenig. Ist es aber nicht. Wer jetzt nicht vergleicht und nicht handelt, verschenkt bares Geld – in einer Situation, in der die Zinsen eher nach oben als nach unten zeigen", so Kiske.
Viel günstigere Konditionen als heute werden wir auf absehbare Zeit wohl nicht sehen. Der Iran-Konflikt beschleunigt eine Entwicklung, die ohnehin schon in Bewegung war. Wer jetzt kauft, baut oder seine Anschlussfinanzierung regelt, handelt zum richtigen Zeitpunkt.
Geschrieben am 18.03.2026
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