Ratgeber

Balkonkraftwerk selbst montieren: Wann du nicht am falschen Ende sparen solltest

Autorenbild Kilian Treß
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Ein Balkonkraftwerk verspricht günstigen Solarstrom direkt aus der Steckdose. Viele Anbieter werben sogar damit, dass sich die kleinen Anlagen problemlos selbst montieren lassen. Doch ganz so harmlos ist die Installation nicht. Ein kleiner Fehler beim Anschluss oder bei der Befestigung kann im schlimmsten Fall gefährlich werden.

Selbst installieren klingt einfach – ist es aber nicht immer

Balkonkraftwerke gelten als Einstieg in die private Stromproduktion. Die Anlagen bestehen meist aus ein oder zwei Solarmodulen, einem Wechselrichter und einem Anschlusskabel. Das Modul wird am Balkon, auf der Terrasse oder an der Fassade befestigt und anschließend mit dem Stromnetz verbunden.

Genau deshalb werben viele Hersteller mit einer einfachen „Plug-and-Play“-Lösung. Modul befestigen, Stecker einstecken und schon produziert die Anlage Strom.

In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass die Installation mehr Aufmerksamkeit erfordert. Schon bei der Befestigung kann es Probleme geben, wenn Halterungen nicht richtig montiert sind oder das Gewicht und die Windlast unterschätzt werden. Auch beim Stromanschluss kann ein Fehler schnell Folgen haben.

Der Anschluss an die Steckdose ist ein sensibler Punkt

Der kritischste Moment bei der Installation ist der Anschluss an das Hausnetz. Viele Balkonkraftwerke werden einfach in eine Steckdose gesteckt. Grundsätzlich ist das mittlerweile häufig zulässig, dennoch empfehlen viele Elektriker weiterhin spezielle Einspeisesteckdosen wie sogenannte Wieland-Steckdosen.

Der Grund ist einfach: Eine normale Steckdose ist ursprünglich nicht dafür gedacht, Strom in das Hausnetz zurückzuleiten. In vielen Wohnungen funktioniert das problemlos. Doch in älteren Gebäuden können Leitungen oder Sicherungen schnell an ihre Grenzen kommen.

Wenn Stromkreise bereits stark belastet sind oder Leitungen alt sind, kann es im schlimmsten Fall zu Überhitzung kommen. Kurzschlüsse oder beschädigte Leitungen sind selten, aber möglich.

Balkonkraftwerk-Rechner

Dieser Rechner ermittelt die jährliche Energieerzeugung einer PV-Anlage.

180° (Süden)
30°

Auch die Befestigung kann zum Risiko werden

Neben der Elektrik wird ein anderer Punkt häufig unterschätzt: die Befestigung am Balkon. Ein Solarmodul wiegt zwar meist nur rund 20 Kilogramm. Bei starkem Wind kann jedoch eine enorme Kraft auf das Modul wirken, besonders in höheren Stockwerken.

Wird die Anlage nicht stabil montiert, kann sich das Modul lösen. In einigen Fällen wurden schlecht befestigte Module bereits von Balkonen gerissen. Fällt ein Solarpanel aus mehreren Metern Höhe, können Schäden an Autos, Fassaden oder im schlimmsten Fall Verletzungen von Passanten entstehen.

Gerade deshalb lohnt es sich, die Halterung sorgfältig auszuwählen und die Montage sehr genau vorzunehmen.

Wann eine Fachkraft sinnvoll ist

Nicht in jedem Fall muss ein Elektriker beauftragt werden. Viele Anlagen sind tatsächlich so konzipiert, dass sie selbst montiert werden können. Trotzdem kann eine Fachkraft in einigen Situationen sinnvoll sein.

Das gilt besonders dann, wenn eine neue Steckdose installiert werden muss oder wenn eine spezielle Einspeisesteckdose eingebaut werden soll. Auch in Gebäuden mit älteren elektrischen Anlagen kann ein kurzer Blick eines Elektrikers helfen, Risiken auszuschließen.

Die Kosten für eine professionelle Installation liegen häufig nur im Bereich von wenigen hundert Euro. Angesichts möglicher Schäden oder Sicherheitsrisiken kann sich diese Investition schnell lohnen.

Balkonkraftwerk anmelden nicht vergessen

Neben der Installation gibt es noch einen Punkt, der oft übersehen wird. Auch kleine Solaranlagen müssen registriert werden. Betreiber müssen ihr Balkonkraftwerk im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur anmelden. Zusätzlich erfolgt in vielen Fällen eine Meldung beim Netzbetreiber.

Diese Registrierung ist Pflicht. Wer sie vergisst, riskiert unnötigen Ärger mit dem Netzbetreiber.

Fazit: Selber montieren ist erlaubt, aber nicht immer die beste Idee

Ein Balkonkraftwerk selbst zu installieren ist grundsätzlich möglich und in vielen Fällen auch problemlos machbar. Dennoch sollte die Montage nicht unterschätzt werden.

Gerade beim Anschluss an das Stromnetz und bei der Befestigung am Balkon können Fehler schnell gefährlich werden. Wer sich unsicher ist oder in einem älteren Gebäude lebt, fährt deshalb oft besser damit, zumindest den elektrischen Anschluss von einer Fachkraft prüfen zu lassen.

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